Neuer Glaubenskurs Herbst 2017

 

 

Der Gemeindebrief Sommer - Herbst 2017

 

50 Jahre Emmauskirche

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Kissinger,
wenn eine Kirche ein so schönes Jubiläum feiert – 50 Jahre – und noch ganz schön munter ist, wie es in einem alten Song heißt, ist das Anlass genug, die vielen Innovationen unter diesem Dach zu beleuchten.

Eigentlich ist eine lebendige Kirche ein Mehr-Generationenhaus, nicht wahr? Ich vertrete heute Abend die Senioren-Generation, und die ist wirklich noch ganz schön flott. Ja, ab wann ist man ein Senior? Das ist die Frage. Je nachdem, wie man sich fühlt…! Statistisch gesehen gehört man ab 60 zu den Senioren! Wenn wir von unserer Jugend liebevoll „Oldies“ genannt werden, können wir fast noch froh sein. Es gibt auch andere Bezeichnungen…. Die Eltern und Großeltern unter Ihnen sind ihnen sicher vertraut!
Vor ein paar Jahren haben sich innovative Emmaus-Senioren entschlossen, etwas Besonderes für unsere Altersklasse zu tun. Senioren für Senioren – wobei jüngere Mitglieder den Team-Altersduchschnitt sehr positiv nach unten verändern.
Nun frage ich Sie mal: Frühstücken Sie gern allein? Wenn Sie morgens „um 7“ oder früher Ihre Ruhe brauchen und das Zwiegespräch mit der AZ Ihnen genügt, ist das in Ordnung. Aber wie, wenn man alles darum geben würde, beim Frühstück noch einen Partner zu haben? Auch wenn er – oder sie – sich auch hinter der AZ versteckt?
Und auch wenn man schon morgens – AZ kommt später dran – zu zweit lebhaft den Tag beginnt, wie wäre es, wenn man ihn in vertrauter Gesellschaft begrüßt?
Hier setzte das Nachdenken unseres Teams an: Wie wäre es wenn wir einmal im Monat im Gemeindesaal ein Frühstück organisieren? Schmeckt es in der Gemeinschaft nicht doch besser? Aber, Sie wissen ja, das interessanteste Leben findet bekanntlich hinter den Kulissen statt.
Darf ich Sie jetzt einladen, sozusagen als Kirchenmäuschen hinter diesen Kulissen zu lauschen?

Die sogenannten „Niederungen des Alltags“ beginnen oft schon mit den Wachträumen, kurz bevor der Wecker viel zu früh klingelt. Die Servietten nicht gefaltet, viel zu wenige, ich kann doch so schlecht rechnen. Die Mutschel verbrannt, die Blumen für die Tische verwelkt, man soll doch nicht immer auf Sonderangebote fixiert sein. Hätte man doch im Gemeindegarten gemopst , und das auch noch mit Emmaus-Segen!

Aber nein, Wachträume können ganz schön lügen! Alles in Ordnung – wenn es nur nicht so regnen würde. Sauwetter – hoffentlich trauen sich unsere Frühstücksgäste aus ihren Häusern! Also ich würde da lieber liegen bleiben….! Aber man soll ja unsere Emmaus-Senioren nicht unterschätzen! Sie werden schon Frühstücksappetit haben! Im übrigen: meiner wächst auch so langsam….
Ich hab mein Wage voll gelade – nein nicht mit was Sie jetzt denken! Die schönen Mädchen, das sind wir vom Team! Der regen gibt mir die Erlaubnis direkt vor die Kirchentür zu fahren. Ja, ja, ich bin ja gleich wieder weg! Aber nasse Servietten sind ja nun mal nicht sehr dekorativ!
Kennen Sie den positiven Neid? Es gibt begnadete Frühmenschen, die schon „morgens um 7“ den Tag in den Arm nehmen können, auch wenn’s in Strömen regnet. Ein fröhliches „Guten Morgen“ – wo haben sie nur diese glücklichen Gene her?
Aber glauben Sie nicht, dass es da auch keine Schattenseiten gibt. Oh Gott, habe ich heute Kopfweh! Schon seit Tagen – ob es das Wetter ist? Natürlich ist es das Wetter, andere Teammitglieder fühlen es ja auch. Geteiltes Kopfweh – halbes Kopfweh. Es ist ein gutes Team, das nicht nur frisches Obst, sondern auch die Alltagswehwehchen teilt.
Sagt mal, wollen wir uns nicht gleich ein Schälchen davon reservieren? Wir sehen doch sonst nur noch den Boden der Schüsseln! Lecker!
Wissen Sie, was seelische Grausamkeit ist? Der Duft von Kaffee, frischem Brot und frischen Semmeln um die Nase, und das auf knurrenden Magen. Du, den Schinken muss ich mal kosten – und schon ist ein Scheibchen – oder zwei – oder drei stibitzt.
Hören Sie es? Im Gemeindesaal findet eine Seance statt – Tischerücken. Unser männliches Team diskutiert – reichen 3 Tischreihen, bei diesem Sauwetter? Der Optimismus siegt – 4 Tischreihen! Wenn Ihr uns die Teller, Tassen und Bestecke heraus geben würdet? Wie sollen wir die Servietten unter die Teller legen? Quadratisch oder über Eck? Über Eck siegt! Männlicher Kommentar: das macht einfach mehr her!
Sie glauben es nicht, wie geübt unser männliches Team das Tische decken im Griff hat. Wo haben sie das bloß gelernt? Emmaus-Schulung? O-Ton einer Ehefrau: Ha no, dr’hoim macht’r des net so schö….!
Geben Sie es zu, liebe männliche Zuhörer: wer möchte vor der Team-Weiblichkeit nicht gut dastehen? Ein Küchenseufzer: Schaut Euch mal die Petersilie an! Und das nennt sich nun Frischemarkt! Gestern gekauft!
Vor uns liegt eine rot-grüne Gemüsetrauer. Nein, mit diesen roten Trauerklößchen von Radieschen kann kein dekoratives Röschen entstehen. Und die Platten sind doch so schön geworden! „Die Servietten reichen auch nicht“ – männliche Stimme aus dem Gemeindesaal! Ich hab’s doch gewusst – das Sauwetter ist schuld!
Im nu ist per Auto der Noteinkauf getätigt. Und ich verrate Ihnen etwas, da Sie ja Kirchenmäuschen sind: ich entflieh gern mal kurz dem Küchentemperament! Morgens „nach 7“ ist halt meine Welt noch nicht so in Ordnung. Ja ja, die Gene meiner Mutter… Aber my car is my castle…
Ach bitte, würden Sie mich schnell zum Bezahlen vorlassen? Eine junge Frau schaut mich bei REWE irritiert an – ich weiß was sie denkt: Rentner haben schon morgens „nach 7“ keine Zeit – ich werde nie Rentner! Ich verstehe sie ja – ich habe vor vielen Jahren genauso gedacht!
Aber unser Frühstück – die Zeit drängt! Bei REWE kennt man das schon! Die Servietten sind gekonnt aufgestellt – sie wären es, wenn man nicht noch lüften müsste…!
Ein Windstoß - alle Faltungen haben sich flach gelegt. Ein männlicher Denkanstoß: Ha no, i tat se halt glei flach falte!
Nun ist unser Dekorationsteam wirklich adrenalin munter! In der Küche herrscht Fantasie und Fröhlichkeit. Die Landgasthöfe im Wittelsbacher Land – keine Konkurrenz! Das Buffet wächst und wächst, unser Hunger hält mit, unsere Mägen knurren im Chor – vielleicht nicht ganz so melodisch wie der Gospelchor der Emmauskirche.
Oh, die Salzstreuer – da ist zu wenig drin. Die sind aber auch viel zu klein! Wo war denn noch der Zucker? In 4 Wochen kann man ja schon mal was vergessen, in unserem Alter! Aber hier wird ja auch immer umgeräumt!
Werfen Sie mal einen Blick in den Gemeindesaal! Wo bleibt die Kamerafrau? Unser männliches Team sitzt einträchtig auf dem neuen Sofa und hat Hunger und diskutiert! Wäre das nicht ein Bild für den Gemeindebrief? Die Ruhe vor dem Sturm auf das Buffet? Apropos Sturm – es regnet immer noch! Zahlreiche Schirme nähern sich trotzdem der Kirche, denn die Glocke lädt zu einer kurzen Andacht ein. Auch unser Team braucht diese Ruhe nach allen Aktivitäten morgens „nach 7“ ! Ein Gebet in der Küche – ein kleiner Schluck zur Aufmunterung – die ersten Stammgäste wollen begrüßt sein und legen Wert auf ihren Stammplatz. Stammplätze sind wichtig, denn je vertrauter die Umgebung, desto heimischer fühlt man sich. Ist es nicht schön, dass das Sauwetter unsere Senioren nicht abgehalten hat die Bettwärme abzuschütteln?
Bei kulinarischen und oft auch geistigen Genüssen ist für viele die Welt „nach 7“ schon in Ordnung, zumindest 1x im Monat – sogar für mich.
Ein alter Herr, auch ein Stammgast mit Stammplatz, drückt uns die Hand: „Wisset Se, i mog net so gern früh aufstehe, aber Euer Frühstück und die nette Kissinger – des lässt mr doch net aus! Sonscht bin I immer alloi – mit Euch schmeckt’s halt viel besser! „ Trotz Sauwetter!
Ach ja, da war doch noch was…..
Richtig: Abwaschen müssen wir ja auch noch!